Vornamens-/ Personenstandsänderung

Aktualisiert: 18. Sept.

Ein detaillierter Leitfaden führt dich Schritt für Schritt durch die Beantragung der Vornamens-/ Personenstandsänderung und zeigt dir Beispiele, sowie Formulierungshilfen.



 

Du weißt nicht, welches Amtsgericht für Dich zuständig ist? Wir zeigen dir hier, wo du deine Vä/Pä hinschicken musst. Seit 1981 gilt hier das TSG als Grundlage.

Sachsen

Chemnitz, Dresden, Leipzig, Görlitz, Zwickau

Sachsen Anhalt

Berlin

Brandenburg

Hamburg

Bremen

Mecklenburg Vorpommern

Schleswig-Holstein

Niedersachsen

Hessen

Nordrhein Westfalen

Saarland

Rheinland Pfalz

Bayern

Thüringen

Baden Württemberg

In Deutschland muss die Vä/Pä über Dein zuständiges Amtsgericht eingereicht werden. Hierfür sind allerdings folgende Aspekte zu beachten:

  • Du bist Deutsch im Sinne des Grundgesetzes oder

  • Du hast als staatenlose/ heimatlose Ausländer:in deinen gewöhnlichen Aufenthalt im Geltungsbereich des Gesetzes der BRD oder

  • Du hast als asylberechtigter oder ausländischer Flüchtling Deinen Wohnsitz im Geltungsbereich des Gesetzes der BRD

Nur dann bist Du in Deutschland berechtigt, die Vä/Pä zu beantragen!

Doch was wird bei der Vä/Pä eigentlich festgestellt? Zwei unabhängige, vom Gericht bestimmte Gutachter beurteilen Folgendes:

  • Du empfindest Dich nicht Deinem biologischen Geschlecht zugehörig und erlebst seit mindestens drei Jahren den Zwang, so zu leben. Hierbei ist nicht gemeint, dass Du seit drei Jahren die gewünschte Geschlechterrolle auslebst.

  • Bei Dir ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass Dich das Zugehörigkeitsempfinden nicht mehr ändern wird.

 

Die Vornamensänderung

Du benötigst für die Beantragung folgende Unterlagen:

  • Beglaubigte Kopie Deiner Geburtsurkunde

  • Kopie Deines gültigen Personalausweises oder Deines Reisepasses (Neben Deinen Personalien wird hier auch Dein Familienstand, sowie Deine Staatsangehörigkeit benötigt)

  • Kopie Deines gültigen Personalausweises oder Deines Reisepasses

  • Solltest Du geschieden sein, wird hierzu eine Kopie Deines Scheidungsurteils benötigt

Der oder die im Antragsschreiben genannten Vornamen können noch bis zur endgültigen Beschlussfassung des Gerichtes auf (nachträglichen) Antrag geändert oder ergänzt werden. Insgesamt darfst Du Dir fünf Vornamen aussuchen, unabhängig davon, wie viele Vornamen Du zuvor hattest.

 

Die Personenstandsänderung


Durch die Personenstandsänderung wird Dein binärer Geschlechtseintrag von weiblich/männlich in allen amtlichen Dokumenten auf dein Wunschgeschlecht umgeschrieben. Bisher ist dies leider auch nur für binäre Eintragungen möglich. Beantragen kannst Du das zeitgleich mit der Vornamensänderung, sofern Du das wünscht. Die Anforderungen sind demnach identisch.

Welche Folgen hat die offizielle Personenstandsänderung?

Mit der rechtskräftigen Personenstandsänderung gilst Du in allen Rechten und Pflichten vor dem Gesetz als Mann/Frau. Aufgrund dessen bist Du berechtigt in einer heterosexuellen Beziehung ganz regulär zu heiraten und diese auch als Eheschließung anerkannt zu bekommen. Gleichermaßen wirst Du und Dein/-e Partner/-in im Falle einer künstlichen Befruchtung unter speziellen Voraussetzungen unterstützt. Nähere Informationen erhältst Du an dieser Stelle zu gegebener Zeit von Deiner Krankenkasse.


 

Dauer und Kosten des Verfahrens


Je nach Bundesland ist sowohl die Dauer, als auch der Kostenfaktor unterschiedlich. Grob gesagt, erhält man ca. 2 – 4 Wochen nach der Antragstellung die Mitteilung vom Amtsgericht, dass der Antrag eingegangen ist. Das dabei angegebene Aktenzeichen solltest Du Dir gut aufheben, da Du das bei allen weiteren Kontaktwegen mit angeben musst. Nur so kann die Behörde Dich Deinem Sachverhalt zuordnen. Solltest Du keine Prozesskostenhilfe beantragt haben, so bekommst Du mit dem Schreiben eine Zahlungsaufforderung über einen bestimmten Betrag als Auslagenvorschuss, von dem insbesondere die beiden nach dem TSG erforderlichen Gutachten vorfinanziert werden. Meist liegt dieser Betrag bei ca. 5000€. Überlege Dir also gut, ob Du das finanzieren kannst, oder zeitgleich lieber die Prozesskostenhilfe beantragen möchtest. Eine Prozesskostenhilfe kann das gesamte Verfahren vorerst übernehmen. Alternativ ist im Regelfall auch eine Ratenzahlung beim Gericht möglich. Diesbezüglich werde ich in der kommenden Zeit noch einen eigenen Blog schreiben. Erst nach Zahlungseingang oder nach der Bewilligung für die Prozesskostenhilfe wird Dein Antrag weiter bearbeitet. Du kannst bei der Beantragung bereits zwei Wunschgutachter:innen nennen. Solltest Du keine kennen oder keine nennen wollen, werden Dir zwei aus Deinem Umkreis zugeteilt. Das Gericht wird Dich hierüber zeitnah aufklären. Du bist nicht verpflichtet, die Gutachter:innen selbst für einen Termin zu kontaktieren, allerdings beschleunigt das manchmal den Prozess. Sollten diese noch zusätzliche Unterlagen für den Termin von Dir benötigen, wird Dir das vorher mitgeteilt. Sicherheitshalber kannst Du deine zugeteilte Gutachter:in auch anrufen und fragen, ob noch Unterlagen von Dir gewünscht sind. Hier kann man keine allgemeine Aussage treffen. Nach der Erstellung der Gutachten erhältst Du im Normalfall eine Kopie postalisch zugeschickt. Solltest Du das nicht automatisch erhalten, kontaktiere bitte Dein Gericht, denn die Unterlagen sind wichtig für Deinen weiteren Weg. Wie lange die Sachverständigen die Gutachten erstellen, hängt von mehreren Faktoren ab.

  • Kennen die Gutachter:innen Dich bereits?

  • Wie frühzeitig hast Du den Antrag gestellt?

  • Wie ist Deine persönliche Entwicklung auf dem bisherigen Transweg gewesen?


Nicht in allen Bundesländern darf eine behandelnde Therapeut:in auch als Gutachter:in tätig werden! Ob Dein Bundesland dazu zählt, kann Dir Dein Amtsgericht beantworten. Da die Gutachter:innen vom Gericht beauftragt werden, erhält dieses auch die Originalgutachten, Du bekommst nur eine Kopie zugeschickt. Liegen dem Gericht beide Gutachten vor, wird Dein Anhörungstermin festgesetzt. Dies hängt von der jeweiligen Auslastung des Gerichtes ab und kann mehrere Wochen dauern. Frag hier auch zwischendurch immer wieder nach. In einigen Bundesländern wird zuerst die Anhörung gemacht und erst dann die Gutachten beauftragt. Manche wollen zunächst eine Anhörung, dann die Gutachten und nochmal eine Anhörung.


 

Nach dem Beschluss


Nachdem Du den Beschluss vom Amtsgericht erhalten hast, dass Dein Verfahren positiv entschieden wurde, hast Du vier Wochen Zeit diesem zu widersprechen. Du kannst auch im Vorfeld auf dieses Rechtsmittel verzichten, hast dann allerdings keinen Anspruch mehr den Prozess nach der Entscheidung zu widerrufen. Dies sollte daher wohlüberlegt sein. Den rechtskräftigen Beschluss erhältst Du vier Wochen nach dem ersten Schreiben mit der Bestätigung der Entscheidung vom Amtsgericht. Nach dem rechtskräftigen Beschluss darf sich niemand mehr weigern, den neuen Namen zu benutzen. Ist die Namensänderung rechtskräftig, kann alles umgeschrieben werden, auf dem zuvor Dein alter Name existiert hat. Zeitnah solltest Du hierfür Deine Ausweispapiere (Personalausweis, Führerschein, Mitgliedsausweise etc.) ändern. Grundsätzlich muss man alle Änderungen selbst veranlassen. Lediglich das Standesamt des Geburtsortes wird vom Gericht benachrichtigt, damit der Geburtseintrag im Geburtenregister geändert wird. Je nach Vorgehen des jeweils zuständigen Einwohnermeldeamtes ist es für die Änderung der Meldedaten/Ausweise nötig, eine Abschrift der neuen Geburtsurkunde vorzulegen. Für eine Änderung der Kontoführung, der Sozialversicherungsnummer und der Krankenkassenkarte wird entweder der Beschluss oder Dein neuer Personalausweis verlangt. Auch alte Schul- und Arbeitszeugnisse, sowie sonstige Dokumente müssen auf Antrag auf den neuen Namen umgeschrieben und im Text auf die grammatikalisch neue Form abgeändert werden. Allerdings hat man kein Anrecht auf die Änderung des Schulnamens, sollte es sich um eine Mädchenschule handeln. Sofern mit der Vornamensänderung nicht gleichzeitig die Personenstandsänderung erfolgt, verbleiben alle amtlichen Geschlechtseinträge grundsätzlich beim Geburtsgeschlecht. Dadurch kommt es oft dazu, dass beispielsweise Post mit der weiblichen Anrede „Frau“ und männlichem Vornamen verschickt wird. Hier sollte man versuchen, unter Hinweis auf das Offenbarungsverbot des § 5 TSG eine Änderung zu erlangen. Gleiches gilt bei Verweigerung der oberen Punkte!

 

Checkliste nach Vä/Pä

Standesamt

  • Geburtsurkunde

  • Stammbuch

  • Heiratsurkunde

Einwohnermeldeamt

Straßenverkehrsamt

Bank/Kreditgesellschaften

Finanzamt

Krankenkasse

Rentenversicherung

Impfpass

Wohnung

Schule/Uni

Mitgliedsausweis

Mögliche Kosten


 

Q & A


Wann kann ich die Vä/Pä beantragen?

Du kannst die Vä/Pä jederzeit beantragen. Es sind keine Operationen und keine Hormone notwendig.